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Sachsenhof

Wenn man heute am Sachsenhof in Klingberg vorbeikommt, ahnt man vielleicht nicht, wie viel Geschichte hinter diesem besonderen Ort steckt. Angefangen hat alles mit Alexander Hahn, der 1909 aus Annaberg in Sachsen nach Klingberg kam. Gemeinsam mit seiner Frau Martha und ihren drei Söhnen ließ er sich von Paul Zimmermanns Idee der neuen Siedlung begeistern und kaufte ein großes Grundstück an der heutigen Gärtnerstraße. Dies war ihm möglich, nachdem er 100 Goldtaler in der Lotterie gewonnen hatte.

Alexander Hahn mit Familie um 1914

1911/12 entstand dort die Pension „Obstgut Sachsenhof“, umgeben von einem großen Obstgarten. Schon bald wurde der Sachsenhof zu einem Mittelpunkt Klingbergs. Rund 9.000 Obstbäume standen damals auf dem Gelände. Obstbau und Fremdenverkehr waren die wirtschaftlichen Säulen der jungen Siedlung.

Alexander Hahn setzte auf Gesundheit, Erholung und eine naturnahe Lebensweise. Im Sachsenhof wurde überwiegend vegetarisch gegessen, auf Alkohol verzichtet und sogar Essig, Senf und Pfeffer standen nicht auf dem Speiseplan. Gäste konnten zwischen Hafer­suppe, frischem Obst, Gemüse, Milchprodukten, Nüssen und vielen  weiteren „gesunden“ Speisen wählen.

Auch sonst hatte der Sachsenhof einiges zu bieten: Dazu gehörte unter anderem eine eigene Badestelle am Großen Pönitzer See mit Licht-, Luft- und Wasserbad dazu. Es gab Wannen- und Dampfbäder, medizinische Anwendungen, Turngeräte sowie Möglichkeiten zum Rudern und Segeln. Für Sommergäste wurden kleine „Lufthütten“ errichtet. In den Luftbädern mussten sich Damen, Herren und Kinder getrennt aufhalten, damals eine ziemlich fortschrittliche Form der Erholung. Und wer mochte, konnte ganz selbstverständlich barfuß laufen.

Blick in das Luftbad der Herren


Trotz der ländlichen Lage war der Sachsenhof erstaunlich komfortabel. Gasbeleuchtung, Druckwasser, Warmwasserheizung, Badezimmer, Wasserklosett, Bibliothek, Piano und sogar eine fotografische Dunkelkammer gehörten zur Ausstattung. Alexander Hahn wollte damit eine Mischung aus Sanatorium und Sommerfrische schaffen, also einen Ort für Ruhe, Gesundheit und Erholung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde aus der Pension und dem Obstgut ein Altenheim. Während dieser Zeit fanden im Sachsenhof auch viele Veranstaltungen der Volkshochschule statt. Die Obstwiesen verschwanden nach und nach, das Gelände wurde bebaut und das Gebäude mehrfach verändert.

1998 begann schließlich ein neues Kapitel: Silvia und Reinhold Nehl sowie Hanna Windfuhr, die Mutter von Silvia Nehl, kauften den Sachsenhof und machten sich an eine gekonnte Renovierung nach historischem Vorbild. Nach rund einem Jahr konnte die Familie einziehen. Bald entstanden die ersten Ferienwohnungen. Hanna Windfuhr verwandelte den Garten wieder in eine blühende Oase mit hunderten Rosen und Apfelbäumen.

Ab 2000 wurden weitere Räume zu Ferienwohnungen ausgebaut. Seit 2009 können Gäste auch die liebevoll gestalteten Zimmer als Bed & Breakfast buchen. 2010 eröffnete Reinhold Nehl schließlich das Hofcafé Sachsenhof, das heute noch in Familienhand weitergeführt wird.

Bis heute wird darauf geachtet, den natürlichen und historischen Charakter des Sachsenhofs zu bewahren. So verbindet der Ort seine über 100-jährige Geschichte mit dem Leben von heute und bleibt ein kleines Stück Klingberger Geschichte, das man nicht nur anschauen, sondern auch erleben kann.

Weitere Infos kann man hier finden: https://www.scharbeutz-sachsenhof.de/home